30. Mai - Tag 101 Orlando Nach einem weiteren hervorragenden Frühstück im Super 8 packte ich meine sieben Sachen und fuhr rüber zum Motel 6. Da es mittlerweile Mittag geworden war, wurde es wettermäßig wieder so unerträglich, daß ich sofort in den Pool ging. Einerseits um endlich den letzten Bräuneschlag zu tanken, andererseits, weil mir sämtliche Malls, Einkaufszentren und Kneipen in Orlando zum Halse raushingen und es einfach zu heiß ist, etwas zu unternehmen. Permanent war der „Weather-Channel" an, der mir erbarmungslos verkündete, daß es auch am nächsten Tag zwischen 35 und 40 Grad heiß sein würde. Fast neidisch sah ich im Internet die doch angenehmen Temperaturen von 27 Grad in Deutschland. Wie schön. Im Nachhinein betrachtet, wäre es wirklich besser gewesen, noch eine Weile im Norden zu bleiben. Da gab es zwar nach wie vor jede Menge Tornados. Aber nur einer hatte wirklichen Schaden angerichtet. Aber irgendwie war ich der irrigen aber festen Meinung, hier in Orlando wäre es auch nicht mehr als 27 Grad. Obwohl ich es eigentlich besser wusste. Also war es wie jeden Tag: früh aufstehen, in die City fahren, einkaufen oder auch nicht und spätestens um 12 Uhr wieder im Hotel sein. Dann noch 2 Stunden im Pool stehen - mit Mütze auf - und dann war es das. Nachvollziehbar, daß ich jeden Tag ein Kreuzchen mehr im Kalender machte und die Resttage an den Fingern zählte, bis mein Nach-Hause-Flieger landete? Ich weiß, der eine oder andere wird denken, die spinnt: anstatt diese Tage zu genießen, quengelt sie rum und will heim. Aber waren SIE schon mal so lange auf Tour bei dieser Hitze?
1. Juni bis 9. Juni - Tag 102 bis 111 Orlando und der Heimflug nach Deutschland In diesen Tagen gab es nichts wirklich Spannendes mehr - außer einem Trip Richtung Osten zur Cocoa-Beach an der Küste. Der Nachteil von Orlando ist, dass es hier außer Pool´s und „Wet´n´Wild" nicht Wassermäßiges gibt. Ich wollte deshalb endlich mal wieder echtes Wasser sehen und mir den Seewind um die Nase wehen lassen. Kurz vor der Abfahrt zur Cocoa-Beach sah ich ein Casino-Schiff im Hafenbecken liegen. Da mir noch ein paar Quarter-Münzen in meiner Sammlung fehlten, dachte ich, daß es eine gute Idee wäre, dort im Casino noch ein paar Münzen zu holen. Unerwarteterweise lief das dann ein bisschen anders als ich dachte. Ich wurde kostenlos auf das Schiff eingeladen, durfte kostenlos frühstücken und dann fuhr das Schiff los! Erst außerhalb der 3-Meilen-Zone darf gezockt werden! Nun ja, so habe ich eine beruhigende, sonnige und leicht windig-angenehme Tagesfahrt aufs Meer gemacht, rechts vor mir die Bahamas und hinter mir Cocoa-Beach fast in Sichtweite. Es war entspannend auf Deck zu sitzen in wirklich frischer Luft, den zahllosen Rentnern beim Zocken zuzusehen und tatsächlich 2 gesuchte Quarter zu ergattern. Auf der Rückfahrt in den Hafen am späten Nachmittag gab es Live-Musik und es hat richtig Spaß gemacht, den betagten Leutchen beim flotten Rock´nRoll zuzusehen. Am selben Abend fegte unerwartet ein Tornado ganz in unserer Nähe in Orlando durch einen Wohnmobilpark. Hunderte von Menschen verloren in Sekunden Hab und Gut. In den USA ist so ein Wohnmobilpark häufig ein Wohnviertel der Amis, quasi als Alternative zu Wohnblöcken in der City. Der Flug heim nach Deutschland war fast problemlos und in Deutschland regnete es erwartungsgemäß. ___________________________________________________________________ Mein Fazit: Ich habe mehr über Land und vor allem Leute gelernt als ich erwartet habe und vielleicht auch gar nicht wissen wollte. Es hat mich manchmal bedrückt und stellenweise wütend gemacht, daß hier nicht das gelobte Land ist, an das ich geglaubt habe und das man sonst so gerne mit Touristenaugen sieht. Und trotzdem fehlten mir dann stellenweise auch die Worte über dieses Land der Superlative in mehr als einem Bereich. Ich weiß jetzt aber auch ganz sicher: Ich werde NIE nach USA gehen, um dort alt zu werden. Aber ich werde IMMER WIEDER und so oft wie möglich nach USA fliegen, um dort Urlaub zu erleben. Das Land selbst ist traumhaft schön und das entschädigt für viele Dinge im Land, die für mich persönlich nicht „rund" waren. @ 2004 copyright Dagmar Rettig
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