17.April - Tag 58 Faulenzertag in Jean und dem Casino Heute Nacht hatte ich einen tollen Blick auf die weiße Lichterkette auf der Interstate. Wie am Bindfaden aufgezogen Auto hinter Auto Richtung Vegas. Der Wüstenwind pfiff, und da ich das Fenster einen Spalt offen hatte, war es ein fremdes, aber tolles Geräusch. Die Hotelbetten sind sehr gut, und heute Morgen stand erst mal richtig frühstücken an. Ab 10 Uhr gab es „ Brunch" mit Champagner und warmer Küche für 9.99 Dollar. Ich habe ein New York Steak mit scrambled Eggs und Hash Browns (Steak mit Rühreiern und Röstis) gegessen. Das war es absolut wert. Ein bisschen mit Stil und Esskultur und nicht wie sonst üblich. Heute soll das Wetter schlecht werden - sagt der Wetterbericht, und tatsächlich hat der Wind voll gedreht. Die Wolkenberge sind auch unübersehbar. Ich lasse mir trotzdem den Tag nicht vermiesen. Werde erst mal faulenzen und am späten Nachmittag ein bisschen zocken gehen¼ Heute habe ich eine Menge gelernt über Casino-Mentalität. Mein erster Freund ist Jack, der Trucker, der mir als erstes gesagt hat, dass ich für Drinks an der Bar nichts zahlen muß, wenn ich ein bisschen zocke. Dann hat er mich zu einer bestimmten Abteilung geschickt, um sofort „Member" im Casino zu werden -zocken bringt Punkte, und Punkte sind umsetzbar in Übernachtung, Essen und Tanken. Mein zweiter Freund ist Mark, der Barkeeper, der immer dafür sorgt, dass ich eine volle Flasche „ Corona" da stehen habe. Hier trinkt man kein Chemie-Bier aus dem Hahn, hier trinkt man Corona aus der Flasche mit einer Zitronenscheibe im Flaschenhals, allerdings trinke ich lieber ohne Zitrone. Mein dritter Freund ist John, der Rezeptionist. Sein Vater- oder Beschützinstinkt war wohl ausgebrochen - was ich nicht mal sofort bemerkt habe - und vielleicht habe ich deswegen ein so tolles Standard-Zimmer mit Blick auf die Wüste. Gelernt habe ich aber auch, dass es billiger und schneller geht, im Cafe zu frühstücken. Dort kosten z.B. 3 Eier mit Hash Browns und Toast nur 1.99 Dollar. Kaffee kostet extra 1.39 Dollar. Gelernt habe ich aber auch, dass der Samstag ein schlimmer Tag für mich und ein „Business-Day" fürs Casino ist. Insgesamt 21 Busse haben ihre Passagiere ausgespuckt, und Hunderte von Autos überschwemmten den Parkplatz. Es war alles da, vom Rentner, der nicht mehr laufen aber sitzen konnte, von ganzen Familien, von Freizeitzockern, und sogar Cowboys ließen sich blicken. Da das hier ja kein riesiges Casino ist, war es auch kein Wunder, dass Hunderte in Schlange vor den Restaurants standen. Am nächsten Freitag gehe ich auswärts essen.
|