Tag 045

4. April - Tag 45 Long Beach
Die Gegend hier hat mir dann doch eine unruhige Nacht beschert. Zwar ist sowohl der
Flughafen von Los Angeles als auch der von Long Beach ´ne Ecke weg. Aber trotzdem
herrschte hier die ganze Nacht Kommen und Gehen von Reisenden mit Ihren Roll-Koffern.
Dann duschen nachts um drei oder packen und dabei den Fernseher anschmeißen. Schlimm
war besonders die Reisegruppe aus Asien. Die standen auf der Balustrade im ersten Stock und schnatterten lauthals in einem Tempo miteinander, dass es für die meisten unten drunter wohl
erst mal keinen Schlaf gab, bis die dann endlich in ihren Zimmern verschwunden waren. Am Frühstückbüfett saßen unausgeschlafene und offenbar schlecht gelaunte Menschen rum, die
auf ihr Shuttle zu einem der beiden Flughäfen warteten. Und das alles bei diesem sonnigen Sonntagmorgen. Ich habe erst mal mit viel Geduld und Ruhe auf dem Zimmer gefrühstückt
und mich dann mal auf die Socken gemacht, Long Beach zu besichtigen. Die recht simple Strukturierung der meisten amerikanischen Städte macht es einfach, sich zurechtzufinden.
Dieser Stadtteil „Long Beach" gliedert sich meiner Meinung nach in den mondänen Teil der
im Beach- Bereich liegt, dem Wirtschaftsteil mit den großen Banken und Handelshäusern
direkt anschließend und dem Teil, wo die Menschen leben. Da sind natürlich die „ alten
Straßen" - z.B. der „East Village Art District" wie die 1.-3. Straße bevorzugt. Sie sollten, falls
Sie hier jemals landen, unbedingt eine Fahrt in die „1st"-Street machen. Im Bereich der
kleinen Hausnummern finden Sie rechts und links der Straße Häuser in allen erdenklichen
Baustilen. Vom Säulenhaus über braune Holzhäuser bis zum echten Log-Home. Dazwischen
wieder normale Steinhäuser oder Standardhäuser. Alle sehr gepflegt mit Vorgarten und viel
Individualismus.
Im Strandbereich - der Waterfront - gibt es Sandstrände und Strandstraßen. Alles sehr hübsch
und gepflegt. Einen Blick in den Hafenbreich oder sogar einen Besuch der „Queen Mary"-
diesem Luxusdampfer, der hier sein Gnadenbrot „ frisst" und zu besichtigen ist, ist zu
empfehlen. Kostet 18 Dollar plus Tax, wenn man diesen immer noch vorhandenen Hauch von
Luxus der Edelklasse von früher genießen will. In der Nähe liegt aber auch das Aquarium,
und hier gehen auch die beiden Schiffe ab, die zu Catalina Island führen. Vor dem Hafen
lagen heute 2 Luxusliner a la „Traumschiff", und im inneren Bereich, rund um die sog.
Shoreline, herrschte geschäftiges Treiben beim Aufbau von Tribünen und der
Absperrung von Straßenzügen für den bevorstehenden Auto-Grand Prix am 16.März.
Da ich auch auf der Suche nach einem Bäcker war, fuhr ich weiter nach „ North Pine", dort
wo die Menschen leben - im übrigen fährt dort eine Straßenbahn. Am Anfang der Reise habe
ich immer alle Fenster und Türen vom Auto bewusst verschlossen, wenn ich in diese -
weniger attraktiven - Stadtviertel fuhr. Inzwischen denke und handele ich da anders. Und so
sehe ich manche Dinge auch anders als früher. Leben möchte ich hier nicht, aber herzlicher,
ehrlicher und freundlicher sind die Menschen hier allemal. Ich habe Menschen erlebt, die
friedlich miteinander leben, obwohl der eine kein englisch kann, weil Mexikaner oder
Kubaner ( häufig hier in den Hotels bei den Zimmermädchen anzutreffen), der andere
irgendwo aus Asien stammt, der dritte weiß, aber „Veteran" ist und dazu noch Typen wie
mich, die ihre Nase immer in Gegenden stecken, wo sie nicht hingehören. Mein Brot habe ich
auch heute frisch gekriegt, in einem kleinen Markt für „ Arme, Farbige und Ausgemusterte".
Die Verkäuferin erzählte mir stolz, heute wäre im Brötchen „ Cheese and Jalapeno" drin. War lecker, schmeckte nach Käse und Peperoni.



Tag 044
Tag 046