1. April - Tag 42 die echte „Route 66" über Oatman mit Endpunkt Las Vegas Der Tag beginnt gut. Es ist noch früh am Morgen, nach einem ausgiebigen Frühstück an einem Frühstücksbüffet geht's zum Thema „Route 66". Die Route 66 ist eine Verbindung zwischen Chicago und Los Angeles und wurde 1926 in schweißtreibender Arbeit über knapp 2.500 Meilen erstellt. Man wollte den Wirtschaftsteil Chicago im Norden mit dem damals boomenden Kalifornien verbinden. Die Route 66 läuft somit durch 8 Staaten. Leider ist die Strecke nicht mehr vollständig in ihrer Originalform erhalten. Das was jetzt noch da ist, wird dafür gehegt und gepflegt und ist vor allem für Biker die Traumtour schlechthin. Die Erstellung der Straße bot damals für viele Menschen Arbeit, aber auch einen Weg ins bessere Kalifornien und damit in ein besseres Leben. Als nach dem 2. Weltkrieg Amerika richtig aufblühte, war diese Straße die schnellste Verbindung nach Kalifornien in die Sonne und einen Urlaub - und das wiederum bot den Menschen links und rechts der „Straße in die Sonne" Wohlstand durch Hotels, Restaurant, Tankstellen und allem möglichem. Manche von diesen Einrichtungen existieren auch heute noch und tragen natürlich einen Hauch von Nostalgie, der liebevoll gepflegt wird. Bis 1960 war diese Route 66 die wichtigste Ost-West- Verbindung und nicht nur für den Tourismus. Mehr Infos unter: www.route66.com. In Kingman ist ein Knotenpunkt der Route 66, und dementsprechend wird auch die Werbetrommel gerührt. An jeder Ecke oder Kneipe oder Hotel ein Schild mit Route 66, und natürlich gibt es auch ein Visitor Center mit angeschlossenem Verkaufsladen und sogar einem kleinen Museum. Ich gestehe, ich habe einige Teile eingekauft, die bei uns nicht erhältlich sind. Diese Teile werden bestimmt den einen oder anderen Liebhaber finden. Wozu gibt es schließlich Ebay? Anschließend ging es auf die noch echte Route 66, die durchs Gebirge gebaut und natürlich früher auch benutzt wurde. Eine wunderschöne Strecke-erst durchs Tal und dann rauf in die Berge, denen man ansieht, dass sie vulkanischen Ursprungs sind. Sogar drei richtige „Schlote" konnte ich mit meinen Laien-Augen ausmachen. Die Straße ist schmal und gewunden und zieht sich wie eine Schnur an den Hügeln entlang. Eine Knochenarbeit für die Erbauer, eine tolle Tour für mich als Tourist. Wenn es wieder runter geht in die Ebene, gehts automatisch durch den Ort „ Oatman". Dort war Stau, weil gerade ein Touristenbus angekommen war und mitten auf der Straße eine Aufführung von 4 Cowboys stattfand, die sich gegenseitig erschossen. Da lagen nun meine 4 Cowboys tot rum, auf die ich so lange gewartet hatte. In voller Montur und richtig schmuck. Nachdem die Reisegruppe prima geklatscht hatte, war die Show vorbei, und ich habe dann endlich auch meine Cowboy-Fotos gekriegt. Der Ort ist ein absolutes Chaos-Dorf. Parken kann man auch mitten auf dem Weg. Es laufen wirkliche Esel rum, und es sieht - gewollt - wie eine Westernstadt aus, mit Hotels, Saloon und vielen Geschäften. Und da muss ich an Banders/Texas denken. und deren erhabenen Anspruch eine Cowboystadt zu sein! HIER spielte die Musik. Natürlich kann man in allem Läden „Route 66"-Artikel kaufen. Ich denke, der Ort lebt ganz gut davon. Bei der Weiterfahrt kann man sich entscheiden, durch die Wüste der Route 66 zu folgen bis zum Ende in Arizona oder abbiegen nach „Needles" und von dort zurück oder weiter nach Nevada/Kalifornien- ist ein Länder-Dreieck! Ich habe mich für die Weiterfahrt durch die Wüste entschieden. Immer wenn ich unwillkürlich an die Erbauer dieser Strecke denke, dann stelle ich mir vor, dass es hier auch kein Zuckerschlecken war, die Straße zu bauen. Zwar mussten keine Berge bewegt werden, sondern nur eine schnurgerade Straße. Aber die Hitze selbst am heutigen Tag ist unerträglich. Wie gut, dass wir heutzutage wenigstens Klimaanlage im Auto haben und nicht auf ´nem Eselskarren durch die Wüste müssen. Der Endpunkt ist Topock. Hier trifft die Route 66 wieder auf die I-40. Dann geht's in Kalifornien weiter. Ich habe mich auf die I-40 geschwungen und bin zurückgefahren bis dort, wo die US 95 beginnt. Ich kann hierauf auf direktem Weg nach Las Vegas fahren. Vielleicht eine Anmerkung: Wer schon Urlaub in oder um Las Vegas macht, sollte ruhig die schlappen 100 Meilen bis Kingman machen und ggfs. auch das Stück dieser Route 66 fahren. Ist ein schöner Trip und eben auch von LasVegas aus als Tagestrip zu bewältigen. Die Strecke auf der US 95 gleicht im unteren Teil einer Achterbahn - rauf und runter und natürlich schnurgerade. In der Nähe von Henderson wird momentan gebaut, und ich denke, es wird mal eine schöne je 3- spurige Rennstrecke werden. Las Vegas selbst wächst und wächst. Man sagt, pro Monat würden hier 1000 Leute neu zuziehen. Ich mag es fast glauben. Insgesamt über die Jahre bin ich das 5. Mal hier, und jedes Mal erkenne ich Vegas fast nicht wieder. Immer größer und - da neu erbaut - auch freundliche, moderne Wohngebiete für all die Leute. Die Innenstadt selbst ist ein einziger Hotelkomplex, wenn man mal von Downtown absieht. Der Strip so bombastisch, dass man nicht weiß, wo man zuerst hinsehen soll. Und fertig gebaut ist da auch noch nicht. Mehrere Hotels sind im Bau und es gibt bereits wieder viele freie Stellen, wo andere, kleine Komplexe abgerissen wurden, um bald neuen Riesen-Bettenburgen zu weichen. Mittlerweile gibt es im unteren Teil des Strips auch schon eine Monorailbahn zwischen den Hotels. Der Verkehr ist permanent „ Rushhour" auf der 6-spurigen Strip-Straße, und die Menschen auf den Bürgersteigen gehen in Dreier-Reihen. Und wenn ich da noch an all die Menschen denke, die an den Spieltischen sitzen... Zurück zu mir. Ich hatte Schwierigkeiten, ein Zimmer zu finden für diese Nacht und musste schließlich in einem Motel6 das „ Katzenzimmer" nehmen. Aber da wieder Internet da war, dachte ich, das mache ich schon. Ich mache es kurz: NIENTE! 500.000 Betten komplett ausgebucht! Es ist Messe. Irgendwas Elektronisches. Frust macht sich breit. Aber ich hoffe auf die freigegebenen Stornos der Hotels am nächsten Morgen, um noch ein Zimmer per Internet zu finden. Und gehe erst mal ins Bett. Ach ja, das vorher genossene Abendbüffet eines großen Hotels neben meinem Hotel: zu teuer und sehr schlecht.
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