Tag 030

20. März - Tag 30 Fahrt nach White Sands (Alamogordo) bis Las Cruces
Heute geht's weiter nach White Sands. Durch die Zeitverschiebung war ich doch echt um 6
Uhr wach. Draußen war es schon drückend, und um 7 Uhr herrschte bereits eine Temperatur
von 86 F - es versprach ein heißer Tag zu werden. Frühstück heute wieder Sparflamme.
Gegen 8 Uhr Abfahrt Richtung White Sands. Gestern habe ich noch hin und herüberlegt,
welche Route dahin am sinnvollsten wäre. „Obenrum" über Artesia oder „untenrum" über El
Paso. Artesia hat gewonnen, weil ich den Paß zwischen White Sands und Las Cruces nicht
zweimal fahren wollte.
Welch ein Glück. Zuerst begann die Landschaft, wie sie gestern aufgehört hatte, Steinwüste
rechts und links und Kakteen rechts und links. Ein paar stinkende Ölpumpen, ein paar Ziegen
und Schafe und sonst nur Hitze.
Doch peu a peu änderte sich die Landschaft. Plötzlich waren da Hügel von der Art, wie man
sie immer in Western im Kino sieht, und ich erwartete fast, dass endlich meine Cowboys um
die nächste Ecke bögen. Die Landschaft änderte sich immer mehr. Unmerklich waren die
Hügel plötzlich bewachsen mit Bäumen, erst Kiefern und auf einmal waren da Hügel hinter
Hügel mit Tannen, und als da dann plötzlich Schneereste auftauchten, dachte ich, ich spinne.
Glaubt doch kein Mensch - vor ´ner Stunde noch drückende Hitze und Kakteen um mich
herum und jetzt eine Landschaft wie im Schwarzwald. Als dann ein Schild auftauchte „
Welcome in Cloudcroft" your Home in Lincoln-Mountains, habe ich erst mal geschluckt, vor
allem als ich merkte, dass ich mittlerweile knapp 3.000 Meter hoch war. Die Straße ging
eigentlich nur sanft bergauf, und über diese Höhe habe ich nie nachgedacht. Nachdem ich,
was Höhen angeht, etwas cholerisch reagiere, nachdem ich vor Jahren mal den Pike Peak -
4.321 Meter - in Colorado etwas leichtsinnig „erfahren" habe, wollte ich nur noch eins: runter
nach Alamogordo. Schönheit rechts und links ließ mich völlig kalt. Nun ja, auch ich habe
meine Macken.
Die Runterfahrt war dann auch so wie bei uns: Kurve um Kurve mit 6% Gefälle und das
zackzack runter - muß ja für die Amis ein Alptraum sein, bei den sonst endlos geraden Straßen.
Alamogordo liegt immer noch auf über 1.000 Meter NN, aber das habe ich versucht zu ignorieren.
Alamogordo ist eine Fliegerstadt. Hier in Holomann A.F.B. sind die Eliteflieger stationiert,
und hier wurden auch die Missiles getestest - und werden vermutlich immer noch.
Das Fliegergelände liegt neben dem National Park, und da passiert es schon mal, dass keiner in
den NP rein darf wegen der Übungen. Ist mir bei meinem ersten Besuch vor Jahren auch hier passiert.
Der Park selbst ist das absolute Kuriosum: das, was wie weißer Sand aussieht und Dünen vom Feinsten produziert,
ist schlicht und einfach Gips. Er klumpt nicht und selbst wenn es regnet,
sieht er immer noch aus wie Sand. Bei meinem ersten Besuch vor vielen Jahren war alles
streng reglementiert. Es wurde vorgeschrieben wie man fährt und wo man halten darf. Dieses
Mal traute ich meinen Augen nicht - der Park war am hinteren Ende plötzlich ein riesiges
Picknick- Areal. Überall Klohäuschen und vorgefertigte Grillplätze. Der Gips-Sand war
einfach an die Seite gekarrt worden wie Schnee und auch der Boden war weiß.
Nur saßen die Besucher nicht in dicken Winterklamotten sondern mit Sonnenschirm vor oder auf der Düne.
So was habe ich mir ausgerechnet hier nie vorstellen können. Und da gestern Sonntag war,
war alles brechend voll und ein Duft von gegrilltem Fleisch hing über dem NP. Trotzdem
habe ich noch unberührte Dünen gefunden und meine Fotos machen können.
Nach dem Besuch von White Sands ging es weiter nach „Las Cruces" wo ich auf ein
anständiges Hotel hoffte und einen Platz zum Relaxen. Und eine kühle Dusche nach diesem
heißen Tag.



White Sands 2004 



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