18. März - Tag 28 über Bandera nach Kerrville Heute will ich es aber wissen. Cowboy-Land ist angesagt. Leider trüber Himmel draußen, aber ich bin voller Tatendrang. Schnell noch einen leckeren Pfefferminztee - man weiß ja nie -, dann gepackt und los geht's. Den ersten Stress hatte ich schon, als ich versuchte, auf der I- 10 von Ost nach West zu kommen. Man glaubt es kaum, hier ist soviel Platz, aber nein, es müssen 5 Brücken übereinander und ineinander und kreuz und quer gebaut werden. Ich gebe es zu, heute bin ich mit 70 (!) Mph - ca. 100 km/h- auch wie die Texaner gefahren - von rechts quer rüber nach links und umgekehrt. Langsamer konnte ich nicht fahren wegen der morgendlichen Rush-Hour und da - natürlich - die Bahnen 4-6 spurig sind, kriegte ich stellenweise schon Schwitzefingerchen, wenn ich nicht wusste, ob die I-10 West jetzt rechts, links oder unten durch abbiegt. Nun ja, auch das ging vorbei und ich freute mich auf Bandera - dem Ort, der angeblich der Cowboy-Ort schlechthin auf der ganzen Welt ist. Man kann da mächtig was hineininterpretieren - ich fand: ein paar Bretterbuden, ein paar Holzstege, ein paar Kneipen, ein paar Souvenirläden - das wars dann neben dem üblichen einer Kleinstadt. OK, dachte ich mir, dann kaufe ich mir wenigstens einen schicken Westernhut. Gesagt - getan. Nun bin ich Besitzerin eines schwarzen, eleganten Damen- Cowboy-Hutes. Die Weiterfahrt sollte mich durch das riesige Ranchland von Texas bringen, dort wo auch Stadtmenschen auf den so genannten „ Dude-Ranches" cowboyliche Fertigkeiten beigebracht kriegen, einschließlich Reiten. Ich schaute beim Fahren sehnsüchtig um jede Straßenecke, wartete gespannt auf John Wayne oder wenigstens auf das „weite Land" und Kevin Kostner und zum Schluss eigentlich nur noch auf einen einfachen Cowboy. Nichts davon sah ich. Aber im Land der Rinder sah ich dann eine Herde Schafe, zwei Herden Ziegen und tatsächlich fünf Longhorn-Rinder. Ob ich wohl irgendwas falsch verstanden habe? Gelandet bin ich in Kerrville. Dort hatte ich per Internet bei „Motel 8" mein Zimmer gebucht. Für 49,50 plus Tax habe ich ein schönes Zimmer mit Blick auf den innen liegenden Pool, und ich kann das Fenster aufmachen. Wird für mich zum Alptraum, dass es so selten Fenster gibt, die man öffnen kann. Ist mir früher nie aufgefallen. Die Rezeptionistin hatte mir gesagt, wo es das beste Steakhaus gab, und ich war wild entschlossen, die möglicherweise letzte Chance in Texas beim Schopfe zu greifen und mir endlich diese sagenhaft großen, tollen und leckeren Steaks auch schmecken zu lassen. Das Lokal war Klasse, das Lokalkolorit stimmte, und ich freute mich schon auf ein tolles Essen. Die Karte war riesig. Zuerst die Drinks - na klar, ein Bierchen zum Steak. Wurde geliefert in einem eiskalten Mini-Cowboy-Stiefel. Gefiel mir, war nur zu klein für meinen Durst. Nachdem mir die Lokal-Chefin ausführlich erzählt hatte, sie würden nur bestes Fleisch über dem offenen Feuer braten, und ich solle doch bitte überprüfen, ob es auch meinen Wünschen entsprechend gebracht würde, war ich richtig gespannt auf mein Steak. Ich bevorzuge Sirloin, und das hatte ich mir auch als 12 oz bestellt. Serviert mit einer Folienkartoffel. Als mein Essen serviert wurde, war ich dann mächtig enttäuscht. Nix übern Teller hängen (und ich hatte schon überlegt, ob ich überhaupt die Folienkartoffel nehme) - das Teil war nicht größer als bei uns ein plattgehauenes Friko - und so schmeckte es auch, obwohl es eindeutig Fleisch am Stück war. Aber wahrscheinlich durch diese Maschine gezogen, die aus jedem Stück Fleisch Hackfleisch - ähnliches macht. Ich war froh, dass ich die Kartoffel hatte. Trotzdem, der Laden war brechend voll als ich ging - war auch das einzige Steakhaus am Ort. Muss wohl trotzdem eine tolle Küche sein.
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