Tag 024

14. März - Tag 24 Houston in Texas
Welch ein Regentag. Es schüttet aus Eimern. Ich versuche es trotzdem positiv zu sehen: so
brauche ich das Auto nicht zu waschen, das es eigentlich mal nötig hätte, gewaschen zu
werden. Die Nacht war kurz und mit wenig Schlaf gesegnet. Am sehr späten Abend rissen
mich Trommelwirbel und Trompetenstöße aus meinem Schlaf. Ich dachte erst an einen
Alptraum, bis ich realisierte, dass der Krach von draußen kam. Drei Busse, mit vorwiegend
jungen Leuten, in Uniform gekleidet, probten schon mal für den heutigen Umzug zum St.
Patricks-Day. Und es störte die Jungs überhaupt nicht, dass eine Menge Proteste von allen
Seiten kam. Als dann so eine Hotel-Security endlich Ruhe schaffte, gingen die Übungen weiter - halt im Zimmer.
Ich war auch mal jung, auch wenn ich keine Trompete gespielt habe.
Die Fahrt nach Houston in Texas dauerte wegen des Wetters doch länger als gedacht.
Faszinierend fand ich es trotzdem, wie es hier regnete: der Himmel wurde pechschwarz, kaum
ein Tropfen fiel, und 10 Meter weiter schüttete es dann so furchtbar, dass man nichts mehr
sah. Er blitzte und donnerte und wieder Stille, kaum Regen, und der nächste Guss kam. Jetzt
kann ich endlich mitreden, wenn es um „Wetter" geht. Hatte vorher noch nie so ein Wetter.
Die Übernachtungsmöglichkeit gestaltete sich unerwarteterweise schwierig. Für mich
unerwartet ist diese Woche in Texas auch noch „ Spring Break" - Eine Woche Ferien für die Schüler - und St. Patricks Day.
Natürlich sind dann halb Amerika auf den Socken. Coupons funktionierten nicht. Habe dann aber doch eine Bleibe gefunden für 59 Euro plus Tax. Ein
„Quality Inn" vor den Toren der NASA. Schwieriger gestaltete es sich dann aber, was
Essbares aufzutreiben. Restaurants gibt es genug, aber auch lange Warteschlangen davor.
Schließlich war Sonntag, und da gehen die Amerikaner auswärts essen. Und mein Hunger war mächtig.
Schließlich bin ich spontan bei „Carrabba´s" eingekehrt. Keine Warteschlange und
trotzdem voll. Und ich kann nur sagen - wer gerne hervorragend italienisch essen möchte -
das passt! Innen nett gestaltet, flinke Kellner und auch Sitzgelegenheit unmittelbar vor der Küchenzeile,
die offen zelebriert wird. Man kann jeden Handschlag mitverfolgen. Wer das
nicht möchte, es gibt auch kleine Tische und überall Service perfekt. Ich habe im Geiste
meine Cash-Kohle zusammengezählt, ob ich mir auch was leisten könnte. Passte auch: das
ganze Essen für 2 Personen incl. Getränke und Cappuccino hinterher für 35 Dollar. Da gab es
nix zu meckern. In diesem Falle war auch ein Trinkgeld von 20% absolut berechtigt. Im
übrigen - um noch mal auf die sonntäglichen Amerikaner zurückzukommen: Sonntags macht
man sich fein, das war bis jetzt in allen Staaten so. Und die ganze Familie geht dann essen mit
Kind und Kegel. Probleme habe ich allerdings mit den Essensgewohnheiten der Amerikaner.
Irgendwann habe ich darüber mal an einer Bar gesprochen und ein alter Haudegen erzählte
mir dann, warum die Amerikaner so grauenvolle Tischmanieren haben. Früher, in der
Wildwest-Zeit, musste jeder damit rechnen, dass einer schießt, und da hat man eben geduckt
über dem Essen gesessen, das Fleisch vorgeschnitten und nur mit der Gabel gegessen.
Die linke/rechte Hand bzw. Arm lag immer auf dem Oberschenkel, und man konnte so sofort den
Colt ziehen, falls einer unliebsam wurde.
Habe ich ihm blind geglaubt. Warum die Amis allerdings heute noch so essen, ist mir
schleierhaft, oder träumt jeder Mann hier noch davon, er wäre Wyatt Earp? Muß ich mal nachrecherchieren ☺.
Ich habe den restlichen Tag mit Sonntagspost verbracht und gefaulenzt. Morgen steht „Action" an auf der Insel Galveston.



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