Tag 022

12. März - Tag 22 Ruhetag
Heute ist Ruhetag angesagt. Irgendwie müssen alle Erlebnisse im Kopf erst mal wieder
sortiert und verarbeitet werden. Auch wenn es Tage gibt, an denen 3 Stunden „Action" ist und
der Rest des Tages verbummelt wird, es bleiben doch immer viele Erlebnisse hängen.
Der Tag begann um 6:12 Uhr - nicht wie geplant bis 7.30 Uhr schlafen. Der Nachbar hat
schon mal seinen Wagen warmlaufen lassen. Fluchend bin ich dann auch gegen 7:00 Uhr aus
den Federn gekrochen. Nach einem kleinen Frühstück habe ich dann erst mal überfällige
Postkarten geschrieben. Natürlich hatte ich nicht genügend Briefmarken. Aber ich wusste,
einen Straßenzug weiter gab es eine Post. Dorthin bin ich dann zu Fuß! gegangen. War ein
Fehler - die Lady hatte nämlich keine Briefmarken. Die gab es 2 Meilen weiter im Ort Slidell.
Also gut, das Auto angeschmissen und da hin gefahren. Angestellt bis ich dran war, ´nen
Anschiß gekriegt, weil 3 Karten falsch frankiert waren, und mit einem Haufen selbstklebender Briefmarken wieder entlassen.
Danach wollte ich eigentlich nur zurückfahren, aber unglücklicherweise lag da ein Supermarkt auf dem Weg, und mich gelüstete es nach frischem
Obst - ist momentan sauteuer. Aber der Supermarkt „Albertson" war so was von toll, dass ich
in Ruhe durchgewandert bin. Falls Sie noch nie in einem dieser Supermärkte waren, unsere
können Sie da getrost für wegschmeißen. Hier ist alles überdimensioniert. Stellen Sie sich
einfach mal eine Regalreihe 2 Meter hoch und 15 Meter lang nur mit Hundefutter vor, oder
stapelweise Fleisch in Riesenpackungen, oder eine Abteilung von 15x15 Metern nur gefüllt
mit reihenweise Chips aller Art. Gigantisch. Daß zumindest hier Milch meist in 5-Liter-
Gebinden verkauft wird, brauche ich da schon nicht mehr zu erwähnen. Ich habe mich da
bedeckt gehalten und nur ein paar Kleinigkeiten gekauft. Wie gut, dass ich auf den
Hotelzimmern nicht kochen kann!
Der nächste Knaller kam dann an der Kasse. Stolz winkte mich ein junger Verkäufer an eine
seiner 4 Kassen - neueste Errungenschaft im Supermarkt: „Selfcheck". Das bedeutete, ich
durfte meine Ware zwecks Preiserfassung selbst auf einen Scanner legen und einscannen,
mein Obst ganz alleine abwiegen und natürlich auch selbst einpacken in große Plastiktüten.
Die Bezahlart - ob cash oder scheck - durfte ich auch selbst wählen. Eigentlich eine gute
Idee, so die langen Schlangen an den klassischen Kassen zu verkürzen. Nur dieses System
hier funktionierte so blendend, dass der Kassierer- der eigentlich nur noch Kontrolleur sein
sollte, kurz vor dem Nervenzusammenbruch stand und auch mich nur noch loswerden wollte.
Die Kassenaufsicht musste mehrere Belege abzeichnen, weil die Kasse falsch gebucht hatte.
Daß die neue Kassenform dauernd jeden ihrer eigenen Fehler mit Klingeln verkündete,
wundert da wohl niemand. Tolle Technik. Ich glaube, die althergebrachten menschlichen
Kassierer sind auf Dauer weniger anstrengend¼.
Danach bin ich aber problemlos zum Motel gekommen, habe den Pool in strahlendem
Sonnenschein genossen und richtig gefaulenzt. Der nächste Schreck kam dann gegen 5 Uhr nachmittags:
Plötzlich heulte der eingeschaltete Fernseher auf. Flutwarnung! Draußen
strahlend blauer Himmel ohne jedes Wölkchen. Ich war ziemlich irritiert. Dann heulten hier
auch noch die Sirenen auf. Nun gut, habe ich halt das wichtigste Gepäck wieder ins Auto
verstaut. Während meiner schweißtreibenden Beschäftigung kamen meine beiden Nachbarn
wieder. Jeder mit einem Boot auf dem Hänger. Jetzt bin ich aber erleichtert. Sollte die große
Flut kommen - ich mache mir keine Sorgen mehr. Vor meinem Zimmer parken zwei Boote!
Ich hoffe, dass der Abend jetzt problemlos verläuft - es sind immer noch keine Wolken zu
sehen.
Morgen entscheidet sich die weitere Tour am Wetter. Ursprünglich war geplant, über Houma
nach Lafayette zu düsen. Houma ist das sog. „ kleine Venedig". Aber sonst ist da der Hund begraben.
Wenn das Wetter hält, würde ich gerne eine Swamp-Tour machen. Regnet es aber
wie angekündigt, dann geht's direkt durch bis nach Lake Charles und dann übermorgen rüber
nach Texas. Wie sich das alles anhört.



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