Tag 008

27. Februar - Tag 8 die Florida Keys
Der Tag beginnt wieder mit Sonnenschein, und unternehmungslustig mache ich mich auf den
Weg zu den Keys. Ich kann jedem, der Florida besucht, nur empfehlen, einen Abstecher nach
hier zu machen. Es ist weit von Miami aus gesehen - 160 Meilen eine Tour - aber
unvergesslich, wenn die Sonne scheint. Ich war jetzt drei mal dort, aber irgendwie werde ich
nie richtig fertig mit allem dort - ich muß da unbedingt noch mal hin. Normalerweise ist
Homestead/Florida City eine gute Ausgangsposition für die Tour, aber halt jetzt nicht und die
Preise auf den Keys sind horrend wegen des Biker-Treffens. Direkt am Anfang der Keys liegt
der John Pennekamp Park. Hier ist das Paradies der Taucher und auch Schnorchler, die ein
noch fast vollständiges Korallenriff und Hunderte von bunten Fischen vorfinden. Auch dank
einer Privatinitiative von Naturliebhabern und Tauchern ist dieser Naturpark unter Wasser
erhalten geblieben. Nichttaucher können per Glasbodenboot die Unterwasserwelt genießen.
Die einzelnen Key-Inseln sind mit einem einzigartigen Brückennetz miteinander verbunden.
Schon die ersten früher erbauten Brücken waren eine Meisterleistung, aber Stürme haben sie
zerstört, auch wenn Reste davon noch vorhanden sind. Genießen Sie die Fahrt. Stellenweise
sind die Brücken viele Meilen lang. Das für mich interessanteste war das Leben und die Natur
dort auf den Inseln. Natürlich ist hier alles auf Tourismus ausgelegt, aber es ist hübsch zu
sehen, dass an manchen Plätzchen eben doch tolles Wohnen ist. Das Häuschen dicht am
Wasser und die Pelikane als Haustiere, dazu schreiende Möwen und Wasser - flach und grün
bis zum Horizont. Naturbedingt ist hier alles auf Wasser und Wassersport ausgelegt. Und so
fahren Sie immer wieder an Werften mit hunderten von Booten vorbei. Auch der Tourismus
blüht. Große Hotelketten sind ebenso zu finden wie die kleinen, schnuckeligen Motels direkt
am Wasser rechts oder links. Fotografisch gesehen ist die Tour ein Traum. Viele kleine
Einbuchtungen links und rechts der Straße bieten alle Möglichkeiten zu halten und zu
fotografieren. Und stellenweise fühlte ich mich an die Bacardi-Reklame im TV erinnert -
Palmen, schneeweißer, endloser Sand und ein paar Menschen - die einsame „Südsee" lässt
grüßen. Ganz anders das Leben in Key West. Laut, lebhaft und touristisch überlaufen. Die
Häuser sind schön anzusehen im Downtown-Bereich. Alle aus Holz, hübsch bunt und
gepflegt. Alles ist zu Fuß oder mit einer der bunten Holzbahnen zu erreichen. Überall hübsche Kneipen,
Cafes oder Restaurants. Und natürlich fehlt es auch nicht an Geschichte
beispielsweise das Haus von Hemingway, der ja hier gelebt und geschrieben und getrunken
hat. Seine Lieblingskneipe ist natürlich Pflichtprogramm. Aber egal wie Sie gehen und fahren,
irgendwo ist immer Ende und Sie landen in einem kleinen Hafen, dem Überlandhafen der
großen Schiffe, an oder einem kleinen Strand.
Es gibt hierher die A1 als Hauptstraße und die A1A als stellenweise Nebenstraße und die ist
meist die schönere, ruhigere und lädt zum Verweilen ein. Wenn Sie über die A1A in Key
West wieder Richtung A1 fahren kommen Sie an einem herrlichen, kilometerlangen, wenig
belegten Strand vorbei. Natürlich weißer Sand und Palmen und am Horizont die großen,
weißen Kreuzfahrtschiffe, die hier zuhauf anlanden. Eine Postkarten-Idylle. Allerdings will
ich auch nicht verhehlen, dass ich hier sehr, sehr viele Menschen gesehen habe, die nichts mit
dieser Kulisse zu tun hatten. Manche schon oder noch betrunken durch die Gegend torkelnd,
manche mit Fahrrad und ein paar Plastiktüten unterwegs, manche mit einem Supermarktkorb unterwegs,
der auch kaum Habe enthielt. Und es ist angeraten, auf sein eigenes Hab und Gut aufzupassen,
besonders in den überfüllten Straßen in Downtown. Ein Paradies für Diebe.
Auch am Strand hunderte von klapprigen „SoneArtWohnmobil", in dem sicher keine reichen,
vielleicht junge Leute leben. Vielleicht noch interessant: die Insel „Dry Tortugas". Es handelt
sich hier um einen Haufen Koralleninseln auf der ein Fort steht - Fort Jefferson. Die Insel ist
nur per Boot oder Flieger zu erreichen. Meist werden alle Touren organisiert. Hier gibt es sehr
viele Vögel, auch welche, die nur Gast hier sind.
Meine Rückfahrt gestaltete sich dann doch ein wenig chaotisch. Überall Preise vom Feinsten.
Auch die einfachste private Motelanlage sollte 105 Dollar plus Tax für eine Nacht kosten.
Den Vogel abgeschossen hat allerdings das „Ramada" - 355 Dollar für eine Nacht. Ich wollte
das Hotel nicht kaufen und bin deshalb nach Miami zurückgefahren. Sch¼öne Fahrerei, aber
ich habe gut übernachtet für ein Fünftel des Preises in einem Hotel „Wellesley Inn" am
„Turnpike", der Bezahl-Autobahn in Florida. Das Hotel liegt auf der Rückseite des
Flughafens und ist verhältnismäßig ruhig. Die Sorge ums Auto und Gepäck sollte man in
Miami allerdings nie vernachlässigen und immer alles gut verschließen und wegpacken. Im
Miami und Umgebung leben wohl mittlerweile so viele Kubaner, Mexikaner oder spanisch
sprechende Menschen, dass alle Bezeichnungen z.B. in Supermärkten 2-sprachig ausgeführt
werden, und wenn jemand von ihnen spanisch kann, kommt er hier prima durch - englisch
scheint Zweitsprache zu sein. Am Hotelpool, der unter meinem Zimmerfenster lag, war Treffpunkt der Raucher.
Ich bin froh, dass ich nicht rauche, hier ist das ja wie eine Strafe. Mittlerweile ist in vielen Lokalen das Rauchen
komplett untersagt, früher gab es wenigstens noch Raucherzonen. In öffentlichen Gebäuden und
eigentlich überall wo ich bereits war, ist qualmfreie Zone. Falls einer von
Ihnen raucht - ein Vergnügen ist das wohl hier nicht mehr. Wenn ich das richtig gesehen habe
- die Packung kostet zwischen 5- 6,60 Dollar. Leider funktioniert das hauseigene Internet-
System im Hotel heute nicht. Na gut, muß ich mal sehen, wo ich Mails abrufen kann. Ich teile
mich jetzt zum Schlafdienst ein. Es war ein langer, wunderschöner Tag. Leider ist das Wetter
trübe geworden.



Florida Keys 2004 



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